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Frage : Warum ist Zahnersatz im Ausland billiger als bei uns ?

Der Preis für Zahnersatz setzt sich zusammen aus dem zahnärztlichen Honorar, den Kosten für das gewerbliche Dentallabor sowie den Materialkosten und nicht zuletzt dem Aufwand (Verdienstausfall / Fahrtkosten) für den Patienten. Nicht vergessen darf man auch die psychische Belastung, die eine solche Behandlung für den Patienten häufig bedeutet, wenn er von einem fremden Zahnarzt behandelt wird und eventuell noch Sprachprobleme die Kommunikation stören.

Man könne im Ausland beträchtliche finanzielle Einsparungen erzielen, ohne die Qualität zu beeinträch- tigen, behaupten die Krankenkassen.

Zahnarztpraxen und Labors sind wirtschaftliche Unternehmen, die natürlich auch betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten unterliegen. Es wird häufig "vergessen", daß von den erwirtschafteten Einnahmen Kredite für teure Geräte und Instrumente abzuzahlen sind, Raummiete anfällt, Materialien eingekauft werden müssen, die Angestellten ihr tarifliches Einkommen erwarten, Sozialabgaben und Steuern fällig sind und nicht zuletzt der Zahnarzt seine Rente selbst einbezahlen muß und von dem Rest noch seine ganze Familie lebt.

Und warum kann im Ausland die gleiche Zahnersatz-
leistung billiger "verkauft" werden?

Vorausgesetzt es ist wirklich die gleiche Qualität ( und das ist häufig fraglich), bleibt der Faktor Unkosten : mit billigem Material, niedrigen Löhnen und geringen Abgaben kann man billig fertigen. Das hat die Industrie schon lange erkannt und verlagert lohnintensive Fertigungen ins Ausland.

Was ist dann daran bei Zahnersatz verkehrt ?

Es fällt auf, daß bei den Vergleichen von Krankenkas- senseite meist nur östliche oder fernöstliche Billiglohnländer genannt werden ( im Vergleich zu EU-Nachbarn und der Schweiz fiele der Vergleich häufig zugunsten der deutschen Zahnärzte aus !) Dabei wird übersehen, daß durch den Export von Arbeitsplätzen hier bei uns Arbeits- und Ausbildungs- plätze verloren gehen. Noch mehr Arbeitslose bedeuten weniger Beitragszahler für die Kassen, und hier geht der Schuß nach hinten los. Außerdem ist die Erstattung dieser ausländischen Zahnersatzkosten durch die Kassen rechtlich (noch) nicht zulässig.

Warum fordert man nicht - überspitzt formuliert - gleich die Zahnbehandlung in Pakistan ?

Vom Flugpreis einmal abgesehen (den man bei solchen Milchmädchen-Rechnungen getrost vernachlässigen kann), wird dort ein Zahn schon für 2 bis 3 Rupien (ca. 60 Pfennige) gezogen ! Verschweigen muß man dann aber, daß ein Arbeiter in Pakistan pro Tag 6 bis 8 Rupien verdient, das Zahnziehen also einen halben Tageslohn kosten kann! (Bei uns "verdient" der Zahnarzt nach Abzug seiner Betriebskosten bei der Extraktion eines einwurzligen Zahnes einschließlich Betäubung ca. 4 DM.).

Unser Kommentar:

Der Gesundheitssektor als personalintensiver Dienst- leistungsbereich wäre eine der wenigen Wachstums- branchen in Deutschland, wenn man ihn denn nicht kaputt sparen wollte. Nichts fürchten viele Krankenkassenstrategen mehr als einen mündigen Mitbürger, der sich seiner gesundheitlichen Selbstverantwortung bewußt ist, und den Sinn einer unbezahlbaren Gesundheits - Vollkasko - Versicherung infrage stellt.

Nicht alles, was medizinisch machbar ist, muß auch Kassenleistung sein. Schon aus Gründen der Solidarität darf nicht derjenige der Dumme sein, der sich mit einfacheren Maßnahmen zufrieden gibt und aus dem Sachleistungssystem nicht herausholt, was maximal geht. Wer Geld hat und sich teuren Zahnersatz leistet, bekommt mehr Zuschuß von der Solidargemeinschaft als derjenige, der sich das nicht leisten kann; das ist in hohem Maße ungerecht.


 

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